Aktivismus der AG Inklusion
Eine faire Chance auf einen tertiären Bildungsweg für alle.
Neben unseren Events setzen wir uns seit 2023 für einen besseren Nachteilsausgleich ein. Auf dieser Seite erfährst du, wofür wir kämpfen, was die AG Inklusion ist und was wir bisher erreicht haben.
WofĂĽr wir uns einsetzen
Ein Studium darf nicht daran scheitern, dass ein Gehirn anders als die Norm verkabelt ist. Deshalb stehen uns neurodivergenten Studierenden (mit Diagnose) – sowie Menschen mit anderen Behinderungen – nachteilsausgleichende Massnahmen zu, um die Lern-& Prüfungssituationen an tertiären Bildungsinstitutionen (Uni, FH, PH, FH etc.) so anzupassen, dass sie uns die gleichen Chancen ermöglichen wie neurotypischen Menschen, für die die Institutionen strukturell ausgelegt sind.
Heute ist der Nachteilsausgleich an vielen tertiären Bildungsinstitutionen oft dezentral geregelt: Fristen, Zuständigkeiten und Anforderungen unterscheiden sich häufig sogar von Fakultät zu Fakultät. Oft ist unklar, wer überhaupt entscheidet. Als Folge müssen eben jene Studierende, welche bereits mit diversen Hürden zu kämpfen haben, unter anderem zusätzliche Energie in Bürokratie stecken. Dadurch wird ihnen das Recht auf echte Chancengleichheit und Inklusion faktisch verwehrt.
Unsere Forderungen
Wir arbeiten darauf hin, dass:
- Eine zentrale, von Fachpersonen geleitete Stelle alle Anträge auf Nachteilsausgleich bearbeitet,
- ein einheitliches Verfahren gilt mit gleichen Fristen und Anforderungen und klarer Zuständigkeit,
- Massnahmen individuell angepasst und in direkter Absprache mit den betroffenen Personen festgelegt werden,
- der Nachteilsausgleich bei lebenslangen Behinderung dauerhaft gĂĽltig bleibt und nicht immer wieder neue Arztzeugnisse eingereicht werden mĂĽssen,
- das Arztgeheimnis geschĂĽtzt wird: Diagnosen dĂĽrfen den Dozierenden nicht mitgeteilt werden,
- verbindliche Regeln für den Umgang mit ärztlichen Dokumenten und sensiblen Daten bestehen,
- Dozierende und Mitarbeitende obligatorisch geschult und sensibilisiert werden,
- in jedem Kurs über die Möglichkeit eines Nachteilsausgleichs informiert wird.
Unsere Haltung
Ein Nachteilsausgleich ist kein Privileg und kein Bonus. Er stellt lediglich her, was für andere selbstverständlich ist: Chancengleichheit.
Was ist die AG Inklusion?
Die Arbeitsgruppe (kurz AG) Inklusion ist der aktivistische Teil unseres Vereins. Eine kleine (aber hartnäckige) Gruppe, die sich regelmässig trifft, um die Bedingungen für neurodivergente Studierende an tertiäre Bildungsinstitutionen in der Schweiz konkret zu verbessern.
Was wir machen:
- Erfahrungen sammeln und dokumentieren (z.B. mit unserer Umfrage zum Nachteilsausgleich),
- in Gesprächen mit Gleichstellungsstellen Veränderung anstossen,
- uns mit Behindertenrechtsorganisationen, anderen Studierendengruppen und Fachpersonen vernetzen,
- Aufklärungsarbeit an Podien und anderen Anlässen leisten,
- Forderungen und Leitfäden entwickeln damit aus Einzelerfahrungen schlagkräftige Argumente werden und sich die Situation für alle verbessert.
Meilensteine
Podium «Studieren mit Neurodivergenz»
Wir veranstalten an der UniBern das Podium «Vielfalt im Denken – Studieren mit Neurodivergenz» mit Fokus auf den Nachteilsausgleich und verkĂĽnden dort unsere Forderungen.
Erste Sitzung der AG Inklusion
Die AG Inklusion (damals noch «Team Nachteilsausgleich») trifft sich zum ersten Mal.
Umfrage zum Nachteilsausgleich
Wir lancieren eine Umfrage zu den Erfahrungen von Studierenden mit dem Nachteilsausgleich an tertiären Bildungsinstitutionen in der Schweiz.
Kontakt zu den Informatikdiensten der Uni Bern
Ein Ally aus den Informatikdiensten fragt an, ob er uns unterstützen könne. Gemeinsam erarbeiten wir einen Antrag zur Prüfung von Massnahmen für eine inklusivere Lehre.
Kooperation mit un.behindert und Inklusion Handicap
Im Mai starten wir die Zusammenarbeit mit dem Studierenden-Verein un.behindert, im August jene mit der Behindertenrechtsorganisation Inclusion Handicap.
Unser Input ist gefragt
Diverse Stellen der Uni und PH Bern bitten um unseren Input bezĂĽglich unseren Erfahrungen mit dem Nachteilsausgleich.
Erste Resultate der Umfrage
Wir analysieren die Resultate unserer Umfrage zum Nachteilsausgleich.
SDIG-Antrag wird genehmigt
Im März wird der Antrag «Massnahmenkatalog fĂĽr inklusive Lehre durch Digitale Transformation» an der UniBern präsentiert, im April von der Universitätsleitung bewilligt.
Umfrage-Resultate zusammengefasst
Die Resultate der Umfrage zum Nachteilsausgleich haben wir nun ansprechend aufbereitet. Wir legen diese der Inklusion Handicap vor. Damit besteht jetzt eine solide Grundlage fĂĽr unsere Forderung.
Meilensteine im Detail
2023
Motion
Im März 2023 wird im Studierendenrat der Universität Bern (SUB) die Motion «Schaffen einer zentralen Beratungsstelle fĂĽr Nachteilsausgleiche an der UniBern» eingereicht und einstimmig angenommen.
Die Motionsantwort des Vorstands des Studierendenrates der UniBern vom Mai 2024 hält fest: Die Abteilung für Chancengleichheit verfüge über eine Beratungsstelle für Nachteilsausgleich. Seit dem Frühjahrssemester 2023 fänden einmal pro Semester Austauschtreffen zwischen der Abteilung und den Fakultäten statt, mit dem Ziel einer Harmonisierung. An den Universitäten Zürich und St.Gallen bestünden bereits zentrale Stellen. Daran wolle sich die Abteilung orientieren und der Universitätsleitung drei Prozessoptionen zum Entscheid vorlegen.
Ebenfalls in der Motionsantwort: Der SUB-Vorstand erkundigte sich, ob Vorstandsmitglieder oder betroffene Studierende – insbesondere Personen des „Neurodivergenten Znachts“ – an den Fakultätssitzungen teilnehmen könnten. Die Fakultäten schätzten dies als nicht zielfĂĽhrend ein und wir können unsere Anliegen nicht platzieren. Der SUB-Vorstand betrachtet die Motion als erfĂĽllt, da sie all ihre Möglichkeiten ausgeschöpft hatten.
2024
Das Podium.
Im Mai 2024 veranstalten wir gemeinsam mit der Abteilung fĂĽr Chancengleichheit das Podium «Vielfalt im Denken – Studieren mit Neurodivergenz» mit Fokus auf den Nachteilsausgleich. Vorausgehend zum Podium machen wir eine Mini-Umfrage zu den Erfahrungen mit dem Nachteilsausgleich an der UniBern. Die Resultate der Umfrage werden von den fĂĽnf Gästen auf dem Podium, die alle selbst neurodivergente Studierende sind aus unsere Community, vorgetragen. Auch erzählen die fĂĽnf Redner*innen von ihren eignen Erfahrungen mit dem Nachteilsausgleich. Daraus entstehen unsere Forderungen fĂĽr einen besseren Nachteilsausgleich, die wir dort erstmals öffentlich machen.
Die AG Inklusion ensteht.
Im August 2024 findet die erste Sitzung des «Team Nachteilsausgleich» statt. Wir legen unsere Ziele fest und planen unseren Aktivismus strategisch mit Hilfe eines Zeitplans. Aus der Gruppe wird die heutige AG Inklusion.
2025
Die Umfrage.
Im März 2025 lancieren wir eine Umfrage zu den Erfahrungen mit dem Nachteilsausgleich an tertiären Bildungsinstitutionen in der Schweiz. Ziel ist es, sichtbar zu machen, dass es nicht um Einzelfälle geht, sondern dass beim Nachteilsausgleich ein strukturelles Problem besteht.
Ein Ally aus den Informatikdiensten.
Im April 2025 fragt uns ein Mitarbeiter von den Informatikdiensten der Universität Bern, ob er uns unterstützen könne. Daraus entsteht die gemeinsame Arbeit an einem Antrag an die Steuerungsgruppe Digitale Infrastruktur (SDIG) der UniBern mit dem Ziel, Massnahmen für eine inklusivere Lehre systematisch prüfen zu lassen.
Zwei Kooperationen.
Im Mai 2025 schreiben wir Inclusion Handicap – dem Dachverband der Behindertenorganisationen in der Schweiz – an und schildern unsere Anliegen. Ausserdem nehmen wir die Zusammenarbeit mit un.behindert auf, mit denen wir später ein Austauschtreffen fĂĽr Peer to Peer Support zum Nachteilsausgleich organisieren. Im August beginnt dann unsere offizielle Kooperation mit Inclusion Handicap.
2026
Unser Input ist gefragt.
Im Januar 2026 bittet eine Fakultät der Uni Bern um unser Feedback zu einem Projekt zum Nachteilsausgleich. Ebenfalls im Januar holt die PH Bern unseren Input für ihr Projekt zu Neurodivergenz im Studium. Zwei von uns nehmen an einem Austauschtreffen zur Anpassung des PH-Curriculums für neurodivergente Studierende teil.
Strategische Planung mit Inclusion Handicap.
Im Februar 2026 legen wir erste Resultate unserer Umfrage vor und einigen uns auf das weitere gemeinsame Vorgehen. Dazu bereiten wir die Umfrageresultate auf, so dass diese präsentiert werden können.
Der SDIG-Antrag wird angenommen.
Im März 2026 wird der Antrag «Massnahmenkatalog fĂĽr inklusive Lehre durch Digitale Transformation» in der Steuerungsgruppe Digitale Infrastruktur der UniBern präsentiert und im April von der Universitätsleitung fĂĽr mehrere 10’000 Franken bewilligt.
Auf der Projektseite der Universität Bern ist unser Verein als Antragspartner aufgefĂĽhrt; gemeinsam mit den Informatikdiensten, der Abteilung fĂĽr Chancengleichheit, dem Vizerektorat Lehre und der SUB. FĂĽr uns ein wichtiger Meilenstein: Von der RĂĽckmeldung «nicht zielfĂĽhrend» als wir im Jahr 2023 vorgeschlagen hatten bei den Fakultätssitzung unsere Anliegen zu präsentieren zur Autorenschaft eines offiziellen UniBern Infrastrukturprojekt im Jahr 2026.
Das Projekt selbst ist ein befristetes Analyse- und Konzeptionsprojekt – es untersucht also erstmal den Stand heute und schlägt Massnahmen fĂĽr eine inklusivere Lehre vor. Untersucht wird unter anderem inwiefern die UniBern sich an die Behindertenrechte hält und welche Verbesserungsmöglichkeiten in der digitale Lehrinfrastruktur bestehen; zum Beispiel ob flächendeckende Vorlesungsaufnahmen eingefĂĽhrt werden können oder sollen. Auch steht im Raum, die Lehrveranstaltungen hinsichtlich ihrer Barrierefreiheit zu kennzeichnen sowie die Prozesse rund um den Nachteilsausgleich zu digitalisieren und zu zentralisieren. Der Antrag hält fest, dass Prozesse rund um den Nachteilsausgleich heute so dezentral aufgebaut sind, dass allein die Beantragung eine grosse HĂĽrde darstellt. Was von den in der Analyse vorgeschlagenen Massnahmen konkret umgesetzt wird, ist ausdrĂĽcklich nicht Ergebnis der Analyse. Deshalb werden wir bei den Ergebnissen genau hinschauen und uns einsetzen fĂĽr die Umsetzung der vorgeschlagenen Massnahmen.
Die Auswertung der Umfrage ist abgeschlossen.
Im Juni 2026 haben wir die Auswertung unserer Umfrage fertiggestellt und Inclusion Handicap unterbreitet. Damit haben wir belastbare Daten dazu, wie der Nachteilsausgleich an tertiären Bildungsinstitutionen in der Schweiz tatsächlich funktioniert. Diese Daten dienen als Grundlage für unsere Forderungen.
Hast du noch Fragen oder möchtest dich austauschen?
Melde dich gerne bei Feli (sie/ihr) via inklusion@neurodivergentesznacht.ch.
